PoE-Kamera oder Access Point im Außenbereich anschließen: Welches Netzwerkkabel und welcher Überspannungsschutz ist nötig?
Eine Kamera am Carport oder ein Access Point am Gartenhaus ist schnell montiert. Das Kabel dorthin entscheidet aber darüber, ob die Anlage Jahre läuft oder nach dem ersten Gewitter ausfällt. Ein normales Patchkabel reicht draußen nicht. Hier steht, was Sie für Kabel, Überspannungsschutz und Steckverbindungen einplanen sollten.
Genügt ein normales Patchkabel im Außenbereich?
Nein. Patchkabel sind für den Innenraum gebaut. Sie haben flexible Litzenadern und einen Mantel, meist aus PVC oder LSZH (halogenfrei). Dieser Mantel ist weder UV-stabil noch auf Dauerfeuchte oder Frost ausgelegt. Nach einer Saison in der Sonne wird er spröde und reißt. Dann dringt Wasser ein, die Adern korrodieren, und Sie bekommen Übertragungsfehler oder Spannungsabfall bei PoE.
Patchkabel eignen sich für die kurzen Strecken im Gebäude, zum Beispiel vom PoE-Switch zum Patchfeld oder zum Überspannungsschutz. Für diese Strecken passt etwa ein EFB Patchkabel Cat.6A S/FTP, weil es geschirmt und halogenfrei ist. Die Außenstrecke selbst verlegen Sie fest mit einem Installationskabel.
Worin unterscheidet sich ein Außenkabel von einem Innenkabel?
Ein Außenkabel hat drei Merkmale, auf die Sie im Datenblatt achten sollten:
- PE-Mantel: Polyethylen ist UV-beständig und nimmt kaum Wasser auf. Ein PVC-Mantel altert in der Sonne deutlich schneller.
- Wasserlängsdichtigkeit: Quellvlies oder Gel im Kabel verhindert, dass Wasser sich bei einer Beschädigung im Kabel ausbreitet. Das ist vor allem bei erdverlegten Strecken wichtig.
- Starre Adern: Installationskabel haben Volldraht und sind für Auflegetechnik (LSA, Keystone) gedacht, nicht für Crimpstecker mit Litzen.
Bei Erdverlegung brauchen Sie ein Kabel, das ausdrücklich dafür freigegeben ist, meist mit zusätzlichem Schutz gegen Nagetiere und Feuchte. Ein reines UV-festes Kabel ohne Erdfreigabe gehört nicht in die Erde. Prüfen Sie die Angaben des Herstellers und verlegen Sie im Zweifel in einem Leerrohr.
Wann ist geschirmtes Kabel (S/FTP) sinnvoll?
Draußen lohnt sich Schirmung fast immer, vor allem bei längeren Strecken. Der Schirm verringert Störeinkopplung, etwa von Leitungen mit Wechselrichtern, Pumpen oder Leuchten. Außerdem können Sie ihn für den Überspannungsschutz nutzen: Er führt induzierte Spannungen kontrolliert ab, sofern er sauber aufgelegt und geerdet ist.
Zwei Punkte sind dabei wichtig. Der Schirm muss durchgehend verbunden sein, vom Patchfeld bis zum Endgerät. Und er darf nicht an beiden Enden unkontrolliert auf unterschiedlichen Erdpotenzialen liegen, sonst entstehen Ausgleichsströme. Deshalb gehört die Schirmung immer zusammen mit dem Potentialausgleich geplant. Ungeschirmtes Kabel ist bei kurzen Strecken ohne Störquellen möglich. Sobald das Kabel aber das Gebäude verlässt, würde ich es nicht mehr einsetzen.
Wie binde ich Überspannungsschutz und Potentialausgleich ein?
Eine Leitung zwischen zwei Gebäuden oder an der Fassade wirkt wie eine Antenne. Bei Gewittern in der Nähe können Überspannungen eingekoppelt werden, die Switch-Port, Kamera und Access Point zerstören. Ein Überspannungsschutz für Netzwerkleitungen begrenzt diese Spannungen.
Für PoE muss der Schutz ausdrücklich PoE-tauglich sein. Er muss die Spannung und den Strom führen können und alle vier Aderpaare schützen. Das Gerät muss auch zur Übertragungsrate passen, also zu Gigabit oder mehr. Sinnvoll ist ein Schutz an beiden Enden der Außenstrecke:
1. Am Gebäudeeintritt, möglichst nah am Potentialausgleich, sitzt der erste Schutz. Er gehört in den Verteiler oder direkt hinter die Einführung. 2. Am Endgerät sitzt der zweite Schutz, nahe der Kamera oder des Access Points. 3. Die Schutzgeräte werden mit kurzer, ausreichend dicker Leitung an die Erdung bzw. den Potentialausgleich angeschlossen. Lange Erdleitungen verschlechtern die Wirkung erheblich.
Den Anschluss an die Haupterdungsschiene und alles, was mit einer äußeren Blitzschutzanlage zu tun hat, überlassen Sie einer Elektrofachkraft. Das ist keine Bastelarbeit. Wenn das Gebäude eine Blitzschutzanlage hat, muss die Planung darauf abgestimmt sein.
Ein Überspannungsschutz mindert das Risiko, verhindert aber nicht jeden Schaden bei einem direkten Einschlag.
Worauf achte ich bei Steckverbindungen und Tropfschlaufen?
Die meisten Ausfälle entstehen an der Verbindung, nicht im Kabel. Beachten Sie:
- Wetterfeste Steckverbindung: Verwenden Sie ein Gehäuse oder eine Durchführung, die den RJ45-Stecker abdichtet. Die Dichtung muss zum Kabeldurchmesser passen. Ein Stecker, der nur „im Schatten" hängt, ist keine Lösung.
- Tropfschlaufe: Führen Sie das Kabel vor dem Gerät oder Gehäuse in einer nach unten hängenden Schlaufe. Das Wasser tropft dann am tiefsten Punkt ab und läuft nicht am Kabel in die Dose.
- Biegeradius und Zugentlastung: Befestigen Sie das Kabel in kurzen Abständen mit UV-festen Schellen oder Kabelbindern. Es soll nicht am Stecker hängen.
- Anschlusskabel im Innenraum: Vom Patchfeld zum Schutzgerät oder Switch nehmen Sie ein kurzes geschirmtes Patchkabel, zum Beispiel ein Cat.6A S/FTP mit 20 m, wenn die Strecke im Gebäude länger ist. Für draußen bleibt es ungeeignet.
Prüfen Sie nach der Montage die Verbindung mit einem Kabeltester und kontrollieren Sie, ob das Endgerät die PoE-Leistung wirklich bekommt. Bei Fragen zur Planung hilft Ihnen der Fachbetrieb gern weiter.