PoE-Budget richtig berechnen: Wie viele Kameras und Access Points versorgt mein Switch wirklich?
Wer eine Videoüberwachung oder ein WLAN mit mehreren Access Points plant, stößt schnell auf eine unscheinbare, aber entscheidende Zahl: das PoE-Budget des Switches. Diese Gesamtleistung entscheidet, wie viele Endgeräte gleichzeitig und zuverlässig mit Strom versorgt werden können – und genau hier passieren in der Praxis die meisten Planungsfehler. Der folgende Beitrag zeigt, wie man das Budget realistisch berechnet, bevor man einen Switch kauft.
Was ist der Unterschied zwischen PoE, PoE+ und PoE++?
Die drei Standards unterscheiden sich vor allem in der maximal am Endgerät ankommenden Leistung. PoE nach 802.3af liefert am Port bis etwa 15,4 Watt, wovon durch Kabelverluste am Gerät meist noch rund 12,95 Watt ankommen. PoE+ nach 802.3at verdoppelt das grob auf bis zu 30 Watt pro Port, nutzbar sind davon etwa 25,5 Watt am Endgerät. PoE++ (802.3bt) geht je nach Typ noch weiter, bis zu 60 oder 90 Watt pro Port, womit auch leistungshungrige Geräte wie PTZ-Kameras mit Heizung oder große Access Points mit mehreren Funkmodulen versorgt werden können. Für die Praxis wichtig: Ein Switch, der insgesamt nur PoE-Ports nach altem Standard hat, limitiert automatisch, welche Geräte überhaupt angeschlossen werden können, unabhängig vom Gesamtbudget.
Wie viel Leistung brauchen Kameras und Access Points wirklich?
Der Leistungsbedarf hängt stark vom Gerätetyp ab. Einfache Innenkameras mit fester Optik kommen häufig mit PoE (af) aus, da sie selten mehr als 6 bis 10 Watt ziehen. Außenkameras mit IR-Beleuchtung, Heizung oder motorisiertem Zoom benötigen dagegen oft PoE+ und liegen im Bereich von 12 bis 20 Watt. PTZ-Kameras mit Schwenk-Neige-Funktion und Heizelement können durchaus in Richtung PoE++ gehen. Bei Access Points ist das Bild ähnlich: Ein einfacher Dualband-AP für den Heimgebrauch läuft meist mit PoE, moderne WiFi-6- oder WiFi-6E-Access Points mit mehreren Funkmodulen und hoher Sendeleistung ziehen dagegen häufig mehr und benötigen PoE+ oder sogar PoE++, um im Volllastbetrieb stabil zu funktionieren. Wer analoge Bestandskameras per Video Encoder ins IP-Netz einbinden will, etwa mit dem LevelOne FCS-7004 4-Kanal Video Encoder PoE 802.3af, sollte auch dessen Leistungsaufnahme mit ins Budget einrechnen, da solche Konverter selbst am PoE-Port hängen.
Wie berechne ich das PoE-Budget meines Switches?
Die Rechnung ist im Kern einfach: Man addiert die maximale Leistungsaufnahme aller angeschlossenen Geräte und vergleicht das mit dem im Datenblatt angegebenen PoE-Gesamtbudget des Switches, nicht mit der Summe der Einzelport-Maxima. Ein Beispiel: Ein Switch mit 8 Ports und einem Gesamtbudget von 130 Watt soll sechs Außenkameras mit je 15 Watt und zwei Access Points mit je 20 Watt versorgen. Das ergibt 6 × 15 Watt plus 2 × 20 Watt, also 90 plus 40, in Summe 130 Watt. Rechnerisch passt das genau – in der Praxis ist das aber bereits zu knapp kalkuliert, wie der nächste Abschnitt zeigt. Wichtig ist außerdem, nicht den Port-Maximalwert (z. B. „30 Watt pro Port bei PoE+“) mit dem tatsächlichen Verbrauch des Geräts zu verwechseln. Ein Access Point, der laut Datenblatt 12 Watt zieht, belegt trotzdem einen vollwertigen PoE+-Port, blockiert aber nicht automatisch die vollen 30 Watt im Gesamtbudget.
Welchen Sicherheitspuffer sollte ich einplanen?
Aus der Praxis heraus empfiehlt sich ein Puffer von mindestens 20 Prozent auf die berechnete Summe. Gründe dafür gibt es mehrere: Herstellerangaben zur Leistungsaufnahme sind oft Maximalwerte unter Idealbedingungen, Kameras ziehen beim Boot oder bei aktivierter Heizung im Winter kurzzeitig mehr Strom, und lange Kabelstrecken erhöhen die Verluste zwischen Switch und Endgerät. Im obigen Beispiel würde man das Budget also nicht bis auf 130 Watt ausreizen, sondern eher einen Switch mit 150 bis 160 Watt Gesamtbudget wählen oder ein Gerät weniger anschließen. Wer zusätzlich plant, in ein bis zwei Jahren weitere Kameras oder Access Points nachzurüsten, sollte diesen Spielraum von vornherein mit einkalkulieren, statt später einen zweiten Switch aufzustellen.
Worauf muss ich bei der Verkabelung achten?
Die beste Budgetrechnung nützt wenig, wenn die Verkabelung die Leistungsübertragung ausbremst. Bei PoE+ und vor allem PoE++ steigt der Stromfluss im Kabel spürbar an, wodurch sich Kabelquerschnitt und Schirmung stärker bemerkbar machen als bei reinen Datenanwendungen. Für längere Strecken zu Außenkameras oder Access Points im Dach sind geschirmte Cat-6A-Kabel wie das [EFB El